Maria Wilhelmine Lange[1]

weiblich 1846 - 1925  (78 Jahre)


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  • Name Maria Wilhelmine Lange 
    Geboren 29 Aug 1846  Schellsitz, Naumburg (Saale), Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht weiblich 
    Beruf Näherin 
    Gestorben 17 Feb 1925  Barmen, Wuppertal, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Begraben 21 Feb 1925  Barmen, Wuppertal, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Personen-Kennung I1227  Otto-Genealogie
    Zuletzt bearbeitet am 9 Mrz 2012 

    Vater Johann Christian Lange,   geb. 28 Jul 1819, Meschkau, Mieszków, Polen Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 15 Jan 1896, Stadt Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 76 Jahre) 
    Mutter Eva Maria Müller,   geb. 7 Jun 1823, Schellsitz, Naumburg (Saale), Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 13 Mrz 1848, Schellsitz, Naumburg (Saale), Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 24 Jahre) 
    Verheiratet 18 Apr 1847  Schellsitz, Naumburg (Saale), Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Familien-Kennung F585  Familienblatt  |  Familientafel

  • Ereignis-Karte
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  • Notizen 
    • Geboren am 29-Aug-1846 um 14.00 Uhr, unehelich, durch spätere Heirat legitimiert.
      Unter den Paten: Christian Friedrich Müller, Weinbergsbesitzer.

      Der Vater war Gleis- oder Eisenbahnbauarbeiter und hatte beim Bau der Eisenbahn an Naumburg vorbei mitgearbeitet und dort seine spätere Ehefrau kennengelernt (1846 wird Naumburg an die Thüringische Eisenbahn angeschlossen!).
      Wahrscheinlich zog er mit der Bahn weiter, und erfuhr erst später von seinem Vaterglück, denn die Trauung fand erst ein halbes Jahr nach der Geburt statt.
      Später dann machte er sich als Tief- bzw. Straßenbaumeister selbstständig, bei ihrer Heirat wird er Schachtmeister genannt. Er zog ständig im Land umher, seine Ehefrau war bei der Geburt des 2. Kindes verstorben, je nach Bauauftrag nahm er daher unterschiedlichen Wohnsitz.

      Als kleines Kind wuchs Maria Wilhelmine im Haus ihres Onkels, dem Bruder Heinrich ihres Vaters, in Meschkau (im III. Reich in Oberquell umbenannt) auf.
      Dieser Onkel hatte die kleine väterliche Landwirtschaft übernommen (Lokalbegriff: Gärtner) und schickte später, als sein Schützling erwachsen war, den Eheleuten Klinckert/Lange regelmäßig ein kleines Fäßchen Butter aus eigener Produktion.

      Als Maria Wilhelmine 5-6 Jahre alt war, heiratete ihr Vater das zweite Mal. Er nahm seine Tochter zu sich, und so mußte sie an verschiedenen, wechselnden Orten die Schule besuchen. Die Familie lebte mal in Heidelberg, Eitorf an der Sieg, Sittard an der holländischen Grenze. In Sittard besuchte sie eine Schule, die von katholischen Schwestern geführt wurde. Es war eine Klosterschule, die die Kinder zwei Jahre besuchten. Sie lernte dort das Vater-Unser in katholischer Form. Als sie kurzzeitig im Naumburger Raum (lebte sie bei Verwandten in Schellsitz?) die Schule besuchte, wurde sie dafür vom lutherischen Pfarrer geohrfeigt.
      Während der Zeit in Eitorf mußte sie ein Arbeiter morgens in die Schule tragen. Ein Arbeiter, der bei den Langes in der Familie lebte und bei den Kindern sehr beliebt war, ertrank in der Sieg. Die Kinder litten sehr an diesem Unglücksfall. Wenn Vater Lange einen Arbeiter einstellen wollte, so bestellte er ihn zu sich zum Frühstücken. Er beobachtete dann ganz genau, wie der Kandidat seine Nahrung zu sich nahm, denn er meinte, einer der schnell aß, würde auch schnell arbeiten. Solch ein Kandidat hatte dann Glück und erhielt die Arbeitsstelle. Er sagte dazu: "Wie die Backen, so die Hacken".

      Als Maria Wilhelmine ihre Schule beendet hatte, machte sie eine Lehre als Näherin. Zu dieser Zeit lebte sie bei ihrer Meisterin in Rittershausen (Oberbarmen) und mußte mit ihr das Bett teilen. Immer wenn der Freund der Meisterin zu Besuch kam, schlief man dann zu dritt im Bett. Zur Zeit ihrer Hochzeit mit Klinckert lebte sie ebenfalls wie er "auf" Wupperfeld. Denkbar ist, daß sie schon vor der Ehe eine gemeinsame Wohnung hatten.

      Maria Wilhelmine Lange las sehr gerne. Ihrem Einfluß ist es zu verdanken, daß in der Familie oft vorgelesen wurde. So z.B. das Buch: Pelle der Eroberer. Ebenso sang sie sehr viel. Sie kannte eine große Zahl von Volk- und sogenannten Küchenliedern. Eines ihrer Lieblingslieder war: "An der Saale hellem Strande", das von ihrer Heimat erzählt.
      Sie war eine vorzügliche Köchin

      Oma Liese berichtete, daß sie mit ihrer Mutter einmal im Wald Pilze suchte und daß sie dabei auf einen Erhängten stießen.

      Alle Vierteljahr wurde sie von ihrer Halbschwester Ricka besucht, die ihr Geld aus den Mieteinahmen von zwei Häusern brachte, die Vater Lange seine Kindern hinterlassen hatte. Es geschah einmal, daß Maria Wilhelmine das gerade eingetroffene Geld in der Hektik mit einer alten Zeitung zusammenraffte und in den Ofen warf. Im letzen Augenblick konnte der "Schatz" noch geborgen werden.

      Sie bekam Leberkrebs, nach anderer Überlieferung Speiseröhrenkrebs oder Magenkrebs, und war in ihren letzten Lebenswochen bettlägrig. Um ihre Schmerzen zu ertragen zu können, bekam aus einem kleinen Fläschchen Opiumtropfen auf einem Löffel gereicht. Am 17. Februar 1925 starb sie zu Hause in der Ackerstraße 17, vormittags um 11.45 Uhr .
      An diesem Tag war Oma Liese, ihre jüngste Tochter, aus der "Freien Schule" in der Ziegelstraße, an der sie unterrichtete, nach Hause geholt worden. Auch unser Vater Stillfried, zur gleichen Zeit dort Schüler, wurde nach Hause geschickt. Die alte Maria Wilhelmine Lange lag tot in ihrem Bett. Später kam der Sarg und sie wurde darin in einem selbstgenähten Kleid im Wohnzimmer aufgebahrt.
      Vor der Beerdigung gab es ein Leichenessen: das Lieblingsgericht der Verstorbenen, "Dicke Bohnen mit Speck". Die Bohnen dazu hatte sie im Sommer zuvor selbst eingemacht. Noch an ihrem Todestag ging ihr Witwer August Klinckert zum Standesamt um setzte in zittriger Schrift seinen Namen unter ihre Sterbeurkunde.

      M.W. Lange und ihr Mann liegen zusammen in einem Grab auf dem Friedhof an der Norrenberger Straße auf Heckinghausen.
      Einst hatte Urgroßmutter Lange einen Teil ihres geliebten Gartens aufgeben müssen, um dem sich ausdehnenden Friedhof Platz zu geben.
      Nun im Tod hatte sie ihren Garten wieder. Sie wurde genau in dem Teil beerdigt, der ihr früher als Gartenland so viel Freude gemacht hatte.

  • Quellen 
    1. [S82] Ahnenforschung Speer - Empelmann, Dr. Florian Speer.